28/03/2016Frauen

Der Frauenmonat 2016 – noch aktuell?

Gern hätten wir geschrieben – „schaut was die damals für Probleme hatten!“ Aber leider ist Gleichberechtigung bei uns bei weitem noch nicht umgesetzt. Eine Nachlese.
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ALLAH UND EVA, 2016. Die vielen Gesichter des Patriarchats.

Der grüne Jour fixe zum Internationalen Frauentag setzt seit vielen Jahren gesellschaftspolitische Akzente mit feministischem Hintergrund. Die Ereignisse von Köln waren heuer Anlass zu einer Debatte über patriarchale Rollenbilder und europäische Werte.

Am Podium zu Gast: Sibylle Hamann (Journalistin und Feministin), Berîvan Aslan (Abgeordnete zum Nationalrat und Grüne Frauensprecherin), Michael Kramer (Projektkoordinator am Institut für Islamische Studien der Universität Wien) und Gerlinde Grohotolsky (Sprecherin der Plattform Bleiberecht Burgenland).

Moderation: Dagmar Tutschek (Grüne Bildungswerkstatt).

Die Frau als Besitz und die Verteidigung der Familienehre.

Mit gegenseitiger Wertschätzung, aber ohne Vorbehalte wurden die Funktionsweise des Patriarchats analysiert (das sexuelle Belästigung u.a. als Methode transportiert, um Männerterritorium zu markieren und um Frauen, die ihren Platz in der Öffentlichkeit einnehmen, zu bestrafen), Rollenbilder und Verhaltensmuster im Islam aufgezeigt (Stichwort Jungfrauenkult, die Frau als Mutter, Heilige oder Hure) – und die daraus resultierenden, kulturellen Missverständnisse bis hin zum Kulturkrieg diskutiert (westliche „Sittenlosigkeit“ als politisch-kulturelles Feindbild). Die stark polarisierende Rolle der Medien, die Gratwanderung zwischen notwendiger Information und verzögerter Berichterstattung, um Hetze zu vermeiden, und die Herausforderung qualitätsvollen Journalismus auch im Zeitalter von social media anzubieten, waren ebenso Thema wie die spezielle Situation von Flüchtlingen:
„Der Verlust von Status und Wohlstand, speziell bei Männern, führt dazu, dass Familienbeziehungen neu verhandelt werden müssen. Daraus entstehen im geänderten Umfeld auch neue Chancen für Frauen – die von den Männern als Gefahr erlebt werden“, erklärte Gerlinde Grohotolsky. Umso wichtiger für die Integration seien daher gezielte Maßnahmen, um Frauen zu fördern und in ihren neuen Rollen zu unterstützen.

Dass dieses Thema auch bei jungen Menschen und im Umfeld eines Studentenwohnheims polarisiert, zeigt im übrigen die Tatsache, dass die im Foyer des Europahauses (ÖJAB-Haus Eisenstadt) aufgehängten Veranstaltungsplakate im Vorfeld mehrmals entfernt wurden. Wegen des künstlerischen Designs, oder weil der Titel für Verunsicherung sorgte?

Was ist zu tun?

NRAbg. Berîvan Aslan, Frauensprecherin der Grünen mit langjähriger juristischer Berufserfahrung als Mediatorin und Referentin für Migrationsfragen, fasste die Bausteine notwendiger Integrationsmaßnahmen zusammen: Bildung und Sprache als Basis für Berufstätigkeit und ökonomische Unabhängigkeit. Sowohl gemeinsame, als auch getrennte Kurse für Frauen und Männer, um Tabus anzusprechen und an Rollenbildern arbeiten zu können. Traumaarbeit für Frauen, die auf der Flucht und in den Lagern fast alle mit sexueller Gewalt konfrontiert sind. Emanzipatorische Burschenarbeit speziell für migrantische Milieus, unterstützt durch persönliche Beziehungen und soziale Kontrolle. Projekte wie „Heroes“ in Berlin, die Jugendliche darin bestärken, überlieferte Rollenmuster zu durchbrechen und gegen Unterdrückung im Namen der Ehre einzutreten. Und, nicht zuletzt, Unterstützung für einen säkularen Islam europäischer Prägung.

Frauenrechte sind nicht verhandelbar!

„Wir haben dieses Thema ganz bewusst gewählt und nehmen den Weltfrauentag zum Anlass, um zu zeigen, wie wichtig es ist, Gleichberechtigung als Maxime in die Politik und in unseren Lebenskontext zu integrieren“, zog Veranstalterin Dagmar Tutschek ein persönliches Resümee. „Nicht Religion und Kultur stehen hier zur Diskussion, sondern eine Haltung. Eine Haltung, die Frauen als minderwertig betrachtet und ihnen weniger Rechte zugesteht. Das ist mit unserem Verständnis einer zivilisierten Gesellschaft nicht vereinbar, denn den Preis zahlen die Frauen – vor allem auch die Migrantinnen. Frauenrechte sind nicht verhandelbar!“

Grüne Bildungswerkstatt in Kooperation mit den Grünen 55plus und dem Europahaus Burgenland.

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Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen

Gewalt gegen Frauen ist kein importiertes Phänomen. Auch in Österreich und auch im Burgenland haben viele Frauen eines gemeinsam: Sie leben in Gewaltbeziehungen. Nicht der dunkle Park ist der gefährlichste Ort für die Betroffenen, sondern das eigene Heim. Frauen aller Altersstufen, Schichten und Kulturen sind Opfer männlicher Gewalt. Unbemerkt von der Außenwelt erleben diese Familien in ihren geschlossenen Lebensräumen die Hölle des Alltags. Ihr Dasein zwischen Angriffen und unvorhersehbaren Gewaltausbrüchen und Überresten einer einstigen Liebe entwickelt sich zu einem Kampf ums bloße Überleben. Darüber zu sprechen, fällt schwer, gerade auch in kleineren Gemeinden – ebenso schwer wie der Ausbruch aus familiären und strukturellen Abhängigkeitsverhältnissen.

Über Partei- und Generationengrenzen hinweg nahmen Junge Grüne, die Grünen Frauen und die SPÖ-Frauen des Bezirks Güssing den Internationalen Frauentag zum Anlass für das Thema zu sensibilisieren. Gezeigt wurde im Kulturzentrum Güssing der Film „Auswege“ von Nina Kusturica, der das zahlreich erschienene Publikum (Frauen und Männer) zutiefst berührte. „Auswege“ ist auf Initiative des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser entstanden und möchte dazu anregen Normen zu überschreiten, eigene Zweifel zu überwinden und Mut für einen Neubeginn zu fassen.

„Nicht zuletzt soll der Film auch dazu ermutigen nicht wegzuschauen, sondern Frauen und Mädchen, die von physischer oder psychischer Gewalt betroffen sind, mit Zivilcourage zur Seite zu stehen“, fordert Veranstalterin Dagmar Tutschek (Grüne Bildungswerkstatt) abschließend. Rasche und kostenlose Hilfe bieten die Frauenberatungsstellen in Oberwart, Güssing und Jennersdorf oder das Gewaltschutzzentrum Burgenland in Oberwart.

Infos zum Film: bgld.gbw.at/burgenland/artikelansicht/beitrag/auswege

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Europacafé mit Monika Vana, MEP.

Monika Vana, ganz persönlich. Die Frauenpolitikerin und Abgeordnete zum Europaparlament stand in gemütlicher Atmosphäre Rede und Antwort zu aktuellen Themen wie Frauen, Asyl, Arbeit und Soziales.

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Ein Trommelworkshop zum Abschluss

Für einen kräftigen Ausklang sorgten auch auch heuer die Grünen Frauen Neusiedl mit Ahmed Mbaye, gemäß dem Motto: „Wir Frauen hauen auf die Pauke!“

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