Plädoyer gegen eine grüne Männerorganisation – Fundstück des Monats 05/26

 

 

Die Frauenbewegung war bereits in den 80er Jahren in der Alternativen-Bewegung eine starke Strömung und organisierte mehrere österreichweite Vernetzungstreffen. Es gab daher auch gleich nach der Gründung der Grünen Alternative 1986 Bestrebungen, innerhalb der Partei eine Frauenorganisation aufzubauen, um Frauenthemen innerparteilich stärker zu machen. Die Themen beschränkten sich dabei explizit nicht nur auf den „klassischen Frauenbereich“ (Reproduktions-/Carearbeit, Prostitution, Verhütung und Abtreibung), sondern im Vordergrund standen vor allem auch politische Teilhabe und die Umsetzung des selbstgegebenen Paritätsgrundsatzes der Grünen. Dieser war etwa bei der Besetzung der ersten Nationalratsmandate nicht umgesetzt worden, indem Freda Meissner-Blau als einzige Frau mit sieben männlichen Kollegen ins Parlament einzog.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Gründung der Frauenorganisation war aber keineswegs so klar und selbstverständlich, wie man meinen könnte. Es entbrannte eine heiße Debatte um Pro und Kontra, die im Februar 1988 in einem „Plädoyer gegen eine grüne Frauenorganisation“ von Sonja Puntscher-Riekmann und Helga Erlinger gipfelte.

 

Der Hintergrund dessen war keineswegs Frauenfeindlichkeit, sondern vielmehr der Eigenanspruch der Partei, grundsätzlich feministisch zu sein (neben den anderen Grundwerten selbstbestimmt, basisdemokratisch, solidarisch, ökologisch und gewaltfrei). Eine eigene Frauenorganisation wurde daher als überflüssig und als „Rückzug in das eigene Ghetto“ betrachtet. Dem gegenüber stand das Argument, dass die Frauen in einer dennoch männlich dominierten Partei mithilfe einer Organisation besser ihre Standpunkte und Problemstellungen in den Diskurs bringen könnten. Um die Absurdität der Argumente gegen eine grüne Frauenorganisation auf den Punkt zu bringen, vertauschte Cornelia Zwetko schließlich einfach die Geschlechter: dieses Plädoyer gegen eine grüne Männerorganisation ist unser Fundstück des Monats Mai.

 

Trotz der Zweifel wurden die Grünen Frauen später im Jahr 1988 als Grüne Teilorganisation anerkannt und mit Budget ausgestattet. Die Grünen Frauen betrachten als ihr Gründungsjahr dennoch 1986, auch wenn die Anerkennung der zunächst informellen Frauengruppe erst später erfolgte. Somit begehen sie, wie auch die Gesamtpartei, dieses Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum mit spannenden Veranstaltungen.

 

Mehr Informationen zu den Grünen Frauen und wie man selbst aktiv werden kann findet ihr hier: Grüne Frauen Österreich

 

 

Quellen: AT FREDA GG BB43 (Frauen), AT FREDA GG 1.127 Teil 1
(RG, 2026)

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