Anfang Juli ist für die Schüler:innen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland Zeugnisvergabe. Wir hoffen, die Arbeit und das Schwitzen in den Prüfungen hat sich gelohnt, und wünschen gute Sommerferien! Nicht so gut ausgefallen ist das Zeugnis, das die Grünen Burgenland am letzten Schultag des Jahres 1987 der burgenländischen Landesregierung ausgestellt hatten.

In den Fächern Stop dem Waldsterben, Sondermüllentsorgung, Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, Wirtschaftskonzepte für das Burgenland, politische Verantwortung und Ausbau der Bahn ließen die Leistungen zu wünschen übrig. Besser sah es hingegen in Parteibuch- und Freunderlwirtschaft, Repräsentation und Selbstdarstellung, Berechnen und Kassieren, Korruption sowie Leibesübungen aus. Nur, will man darin gute Noten haben?
Die Note im Fach Volksgruppen-Politik war wohl erschlichen, und auch die Betragensnote weist auf Schummelei hin. So blieb in Summe nur das Ergebnis „enttäuschend“ für die Legislaturperiode 1987 und die Notwendigkeit des Ablegens einer „Nachprüfung vor dem Wähler“.
Es handelt sich dabei natürlich um einen Teil der Wahlkampagne vor den Landtagswahlen im Burgenland am 4. Oktober 1987. Bei den Wahlen 1982 hatte die SPÖ die absolute Mehrheit erreicht, regierte aber dennoch gemeinsam mit der ÖVP, die drei der sieben Regierungsmitglieder stellte. Landeshauptmann war Theodor Kery (SPÖ), es war seine fünfte und letzte Amtszeit als Landeshauptmann (1966-1987). Andere Parteien hatten es 1982 nicht in den Landtag geschafft: FPÖ, KPÖ und Nationaldemokratische Partei (NDP) blieben unter der damals noch geltenden 5%-Hürde, eine grüne oder alternative Liste war gar nicht erst angetreten.

1987 wollten die Grünen nun die politische Landschaft etwas bunter gestalten. Die Wähler:innen folgten der Einschätzung des Leistungszeugnisses zumindest teilweise: Die SPÖ verlor deutlich und konnte die absolute Mehrheit nicht mehr erreichen, und auch die ÖVP musste Stimmen, allerdings kein Mandat einbüßen. Die FPÖ schaffte nun den Einzug in den Landtag. Die Grünen blieben trotz der kreativen Kampagne mit 2,20% unter der Einzugshürde und setzten ihre Arbeit in den Gemeinden fort. Erst 13 Jahre später, am 3. Dezember 2000, schafften die Grünen schließlich doch noch den Einzug in den burgenländischen Landtag. In diesem sind sie seither durchgehend vertreten und stellen seit der Landtagswahl 2025 auch in einer Koalition mit der SPÖ die Landesregierung, wobei Anja Haider-Wallner als Landeshauptmann-Stellvertreterin amtiert.
Quellen: AT FREDA GG 1.96 Teil 2
(RG, 2026)