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38/366: Alternative Liste: Wir kandidieren! Kandidieren wir?

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grüner Baum mit roter Baumscheibe und weißer Figur, schwarze Schrift
Nationalratswahlen 1983. Wir kandidieren! … Kandidieren wir? Wien: Rema Print 1983 (Wienbibliothek, Plakatsammlung, P-222604)

In Zeiten, wo die Grünen in sechs Landesregierungen vertreten sind, wirken Überlegungen, ob sie überhaupt zu einer Wahl antreten sollen, vielleicht überraschend. In der Anfangszeit der Grünen Bewegung war das allerdings keine eindeutig beantwortete Frage, wie dieses Plakat der „Arbeitsgruppe Nationalratskandidatur“ der Alternativen Liste Wien zeigt. Denn die Grünen sahen sich – ähnlich wie die deutsche Grüne Petra Kelly es formulierte – als „Anti-Partei(en)-Partei“ und diskutierten lang und heftig, ob und wie sich „Spielbein“ und „Standbein“ vereinen ließen. Die deutsche Zeithistorikerin Silke Mende im Jahr 2009 dazu:

//zitat// Die Arbeit in der Partei und später auch in den Parlamenten sollte die Aktivitäten der Neuen Sozialen Bewegungen ergänzen und keinesfalls ersetzen. Dieser Anspruch spiegelte sich in einem sehr wirkmächtigen Bild wider, das von der grünen Partei [hier gemeint: in Deutschland, gilt aber auch für Österreich] der Anfangszeit häufig gebraucht wurde: dem „Spielbein-Standbein-Konzept“. Während der Arbeit in den Neuen Sozialen Bewegungen weiterhin das unverzichtbare „Standbein“ der grünen Bewegung sein sollte, war der grünen Parteiorganisation die Rolle des „Spielbeins“ in den Parlamenten zugedacht. In ihrer Rolle als parlamentarischem Spielbein sollten die Grünen jedoch keinesfalls in die Rollenmuster der etablierten Parteien fallen, wollte man doch die „grundlegende Alternative zu den herkömmlichen Parteien“ sein. //zitatende//

(Quelle: Silke Mende: „‚Die Alternative zu den herkömmlichen Parteien‘. Parlamentarismuskritik und Demokratiekonzepte der ‚Gründungsgrünen‘ in den siebziger und frühen achtziger Jahren“. In: Die Zukunft der Demokratie. L’avenir de la démocratie. Herausgegeben von Thomas Bedorf, Felix Heidenreich und Marcus Obrecht. LIT-verlag 2009, S. 39)

Mehr zum Thema

Stefan Freytag: „Standbein, Spielbein, Widerstand! Warum die Grünen noch immer auf zwei Beinen besser stehen!“ In: Das politische Jahrbuch der Wiener Grünen 2003, S. 31 – 34 (Grünes Archiv, Inventarnr. 154)

Dieter Schrage: Wie ich noch einmal über die Stränge schlagen wollte und dabei vom Regen in die Traufe kam. Texte zu einer alternativen grünen Politik. Wien: Werner Eichbauer Verlag 1998 (Grünes Archiv, Inventarnr. 298)

Karl Lind: „Von der Mühsal der Ebenen und der Lust der Höhen. Die Geschichte einer Grünen Bewegung, Sammlung, (R)Einigung und des Einzugs ins Haus der Politik“: In:  Nur kein Rhabarber! Auseinandersetzungen mit grüner Politik in Österreich. Wien: GAV Grün-Alternativ
1988, S. 9-33 [Grünes Archiv, Inventarnr. 261)

Madeleine Petrovic: „Von der Bewegung zur Partei – Möglichkeiten und Grenzen Grüner Arbeit im Parlament“. In: Das politische Jahrbuch 1999 der Wiener Grünen, S. 49-52 (Grünes Archiv, Inventarnr. 150)

Jens Siegert et al.: Wenn das Spielbein dem Standbein ein Bein stellt… Zum Verhältnis von Grüner Partei und Bewegung. Kassel-Bettenhausen: Weber, Zucht und Co. 1986 [Deutschland]

Helmut Adamaschek, Alexander Sprau (Hrsg.): Die Macht und ihr Preis. Grün-alternative Bewegung und Parlamentarismus. 1. Aufl. Berlin:
Edition Ahrens im Verlag Zerling 1984 (Grünes Archiv, Inventarnr. 634) [Deutschland]

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