Vor bald 40 Jahren, am 23. November 1986 zog die Grüne Alternative – Liste Freda Meissner-Blau mit 234.028 Stimmen (4,8%) und sieben Mandaten in den Nationalrat ein. Im Laufe dieses Jubiläumsjahres warten dazu einige spannende Veranstaltungen.
Doch der Grüne Triumph war im Jahr 1986 nicht von Beginn an so eindeutig. Eigentlich schienen die Vorzeichen gut zu stehen: bei der vorangegangenen Nationalratswahl 1983 waren zwei grün-alternative Listen angetreten. Die Vereinten Grünen Österreichs – Liste Alexander Tollmann (VGÖ) erreichten 1,93% der gültigen Stimmen, die Alternative Liste Österreichs (ALÖ) 1,36%. Das war zwar jeweils für sich genommen bei weitem nicht genug für den Parlamentseinzug, zeigte aber, dass ein Wählerpotenzial nahe der 4%-Hürde vorhanden war. Ein Jahr später gab die erfolgreiche Aubesetzung in Hainburg der Bewegung einen immensen Schub, der sich auch zahlenmäßig bei der Wahl zur Bundespräsidentschaft am 4. Mai 1986 niederschlug. Freda erreichte dabei 5,5% der Stimmen. Damit hatte sie zwar keine Chance auf die Präsidentschaft, jedoch wäre ein vergleichbares Abschneiden bei einer Nationalratswahl ausreichend gewesen, um einzuziehen. Das Jahr 1986 stand daher im Zeichen des „Grünen Einigungsprozesses“, bei dem es darum ging, die verschiedenen grünen und grün-alternativen Bewegungen unter der gemeinsamen Liste Freda Meissner-Blau zu bündeln, um so auch die potenziellen Grün-Stimmen bei der Wahl im November auf einer Liste zu konzentrieren.
Kurier, 22.10.1986
Obwohl die Weltanschauungen vor allem zwischen den konservativen VGÖ und der linken ALÖ große Unterschiede aufwiesen, konnte das Wahlbündnis in allen Bundesländern rechtzeitig vor der Wahl geschlossen werden – mit einer Ausnahme. Ausgerechnet in Wien entbrannten heftige Diskussionen um die Reihung der Kandidat:innen auf der Wahlliste. Ende Oktober 1986 eskalierte der Konflikt, davon zeugt unser Fundstück des Monats:

„Eine Prophezeiung über die Innenpolitik der nächsten Jahre kann man wirklich schon jetzt risikolos wagen: Die Grünen sind wieder auf dem Marsch ins Out.“ Schreibt Hans Magenschab am 10.10.1986 in der Wochenpresse. Glücklicherweise sollte er damit nicht recht behalten, jedoch sah es in jenen Tagen kurz so aus: Die Kampfabstimmung über die Listenplätze in Wien endete am 18.10. in einem, von manchem Freda abgeneigten Anwesenden höhnisch kommentierten, Kreislaufkollaps und der Trennung der Liste Freda Meissner-Blau von den Wiener Abweichler:innen, die daraufhin mit einer eigenen Liste „Die Grünalternativen – Demokratische Liste (GAL)“ zur Wahl antraten. Im Vorfeld der Abstimmung wurden üble Beschimpfungen ausgetauscht und das gern in der Zeitung. So wurden die Wiener Alternativen als „Fraktion eiserner Hintern“ bezeichnet (Kurier, 7.10.1986), die Grünen um Freda dafür als „inhaltsleerer, postengeiler Verein“ (Wiener Zeitung, 12.10.1986).


Nach der endgültigen Trennung erhielt die GAL in Wien ausreichend Unterstützungserklärungen, um eigenständig zur Wahl anzutreten. Auch in Kärnten gab es mit den „Kärntner Grünen“ eine zweite grüne Liste auf dem Stimmzettel.

Trotz der Kürze der Zeit bemühte sich die GAL um einen intensiven Wahlkampf. Letztendlich stimmten aber scheinbar nicht allzuviele Wähler:innen dem Slogan „Lieber Komlosy im Parlament als sechs richtige im Lotto“ zu, die GAL erreichte nur 6.005 (0,1%) Stimmen und blieb damit klar hinter der grünen Alternative – Liste Freda Meissner-Blau zurück.

Quellen: Zeitungsausschnitte und Sticker aus dem Vorlass Piet Grusch, AT FREDA GG 6.4
Literatur: Franz Schandl/Gerhard Schattauer, Die Grünen in Österreich. Entwicklung und Konsolidierung einer politischen Kraft, Wien 1996, S. 204 – 215; Robert Kriechbaumer, Nur ein Zwischenspiel (?). Die Geschichte der Grünen in Österreich von den Anfängen bis 2017, Wien-Köln-Weimar 2018, S. 122-129.
(RG, 2026)