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27/366: Zukunftszerstörer und Angsthasen?

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Einladung zur KandidatInnenwahl für den Wiener Wahlkreis (Grünes Archiv, Archiv Gerhard Jordan)
Einladung zur KandidatInnenwahl für den Wiener Wahlkreis 1986 (Grünes Archiv, Archiv Gerhard Jordan)

1996 erinnerte sich die erste Klubobfrau der Grünen, Freda Meissner-Blau, an ihre Politisierung, den Prozess bis zur Kandidatur bei der Nationalratswahl 1986 und ihre Erfahrungen in ihrer kurzen Parlamentszeit. Das Gespräch erschien in der Broschüre „Die grüne Dekade 1986 – 1996. Ein Rückblick auf zehn Jahre Grüne im Parlament“.


//zitat// Wie sind Sie zur Grünbewegung gestoßen?

Für mich war der Beginn einer ökologischen Politisierung Zwentendorf, abgesehen vom Mai ’68 in Frankreich. Dort arbeitete ich für die Atomindustrie, wodurch ich zur Atomgegnerin wurde. Hier gab es Anfang der 70er Jahre nur eine Handvoll Atomkraftgegner. Wir galten damals als Volksverräter, Zukunftszerstörer und Angsthasen, bis im Juni 1977 einige Anti-Atomverbände zum Marsch nach Zwentendorf aufriefen. Wir dachten, es würden 500 Leute kommen, aber es waren 10.000. Es war eine unglaublich ermutigende Atmosphäre. Wir hätten aber nie erwartet, dass wir bei der Volksabstimmung über 50 Prozent kommen. Wir hatten unser Ziel erreicht, aber es nicht verstanden, diesen Impetus weiterzuführen.

Wo haben Sie sich im Zuge der Ökologiebewegung politisch positioniert?

Mein Herz schlägt links – im Sinne von progressiv. Da ich in Frankreich war, bin ich nicht in einer Gruppe aufgewachsen. Meine Stärke war, als Einzelperson mit den Wissenschaftlern genauso zu können wie mit radikalen Gruppen. Ich hatte die Illusion, daß man innerhalb der SPÖ arbeiten muß. 1984 kam es durch Hainburg zum Bruch, als ich Landesrat Brezovsky einen Umweltverbrecher nannte [Ernest Brezovsky erteilte die naturschutzrechtliche Bewilligung für den Kraftswerksbau, Anm.]. Ausgetreten bin ich erst, als ich für die Bundespräsidentschaft kandidierte.

Wie hat sich Ihr Engagement nach Hainburg entwickelt?

Wir wollten nach Hainburg nicht dieselben Fehler machen wie nach Zwentendorf. Eine Gruppe von Künstlern hat mir nahegelegt, für die Präsidentschaft zu kandidieren. Ich habe zuerst abgelehnt, weil ich kein öffentlicher Mensch bin. Dann hat sich Scrinzi beworben, und wir befürchteten, daß er die Proteststimmen bekommt. Das hat mich überzeugt.
Die Einigung der Grünbewegung vor der Nationalratswahl 1986 hat Günther Nenning betrieben, der alle von ganz rechts bis ganz links einbeziehen wollte. Ich hab‘ nie daran geglaubt. Die Besprechungen in der Museumstraße waren endlos, das ging jeden Abend bis um drei. Irgendwann bin ich dann aufgestanden und habe gesagt, jetzt ist Schluß, und bin mit Pius Strobl die „Grüne Alternative – Liste Freda Meissner-Blau“ eintragen gegangen.

Freda Meissner-Blau. Bild: Archiv der Bundespartei
Freda Meissner-Blau. Bild: Archiv der Bundespartei

Wie denken Sie heute über den 4. Oktober 1986, jene berühmte Wiener Landesversammlung?

Da haben die Komlosy und die Erica Fischer Reden als Spitzenkandidatinnen gehalten. Schani Margulies hat zu mir gesagt „Du mußt Dich der Versammlung stellen“. Nach der Wahl, die ich verloren habe, hatte ich einen Herzinfarkt und der Werner Vogt hat mich ins Krankenhaus gebracht. Es war klar, ich muss vorgeschoben werden, um deren Kandidatur mitzutragen. Für mich galt die Unterstützung meiner Freunde. Sie wußten, daß ich als jemand, der keiner dieser Gruppierungen angehörte, in den Öffentlichkeit die Zerrissenheit zudecken kann.
Dann habe ich gesagt, ich trete zurück. Ich war damals gewarnt von meinem Mann. Ich wollte nur in Niederösterreich kandidieren, weil ich wußte, dort krieg ich kein Grundmandat. Ich wollte auch kein Auffangnetz haben mit einem Restmandat. Ich hatte mich verkalkuliert. Mir war aber von vornherein klar, ich bleibe nicht lang.

Warum sind Sie nach zwei Jahren Parlament zurückgetreten?

Einmal war da ein Unterschied im Stil. Damals hat man geglaubt, durch einen besonders rotzigen Stil etwas erreichen zu können, etwa wie der Wabl in durchlöcherten Jeans und Patschen in den Plenarsaal gekommen ist. Zweitens wollte ich ein grundsätzliches Programm, sodaß jeder weiß, was die Grünen wollen. Und ich hab‘ gemerkt, wie wenig Smolle oder Srb Umweltpolitik interessiert hat. Ein dritter Grund war, daß Pilz, Geyer und Co. wahnsinnig nachgedrängt haben. Für die war es ein Problem, daß eine alte Frau die Leitfigur war. //zitatende//


Download Interview im Originallayout: 026-freda-gruene-dekade-interview (PDF,  2 MB)
Download Einladung: 027-liste-freda-meissner-blau-einladung-kandidatinnenwahl (PDF, 1 MB)

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