Permanente Zwischenlagerung – Fundstück des Monats 06/26

Nichts hält so lang wie ein gutes Provisorium – dieses Sprichwort gilt auch im Archiv. Neue Ablieferungen liegen noch Jahre später in dem Regal, in dem sie am Tag der Übergabe „nur kurz abgestellt“ wurden, der „vorläufige Grobindex“ ist dank Erschließungsstau immer noch das beste vorhandene Findmittel. Doch auch dass Unterlagen überhaupt im Archiv landen, kann schon Folge einer Zwischenlösung sein, die sich als permanent herausgestellt hat. Davon zeugt unser Fundstück des Monats Juni 2026:

 

 

„Bitte Thomas! Darf ich diese Unterlagen des Nationalfonds bei dir ‚zwischenlagern‘! Sollten die Grünen mich nach den Wahlen 13 wieder ins Kuratorium schicken hol ich sie, wenn nicht werfe ich (bzw. du) alles weg! DANKE!“ schreibt Terezija Stoisits vermutlich im Juni 2013 an Thomas Sperlich. Mit Ende dieses Monats endete ihre Amtszeit als Volksanwältin, die erwähnten Wahlen zum Nationalrat waren für 29.9.2013 angesetzt. Thomas sagte augenscheinlich zu, denn die Unterlagen kamen von der Volksanwaltschaft in den Grünen Parlamentsklub. Da die Unterlagen nicht wie angekündigt abgeholt oder weggeschmissen wurden, verblieben sie dort bis 2017. Nach dem verpassten Wiedereinzug der Grünen in den Nationalrat wurden sie beim Ausräumen der Büros verpackt und 2020 als Teil der ersten großen Ablieferung an das Archiv an FREDA geschenkt und übergeben. So wurde aus der einstigen Zwischenlösung eine permanente Aufbewahrung. Zugänglich sind die Unterlagen aber (noch) nicht – erst 30 Jahre nach der letzten Bearbeitung, also im Jahr 2043, wird der Schutzstatus aufgehoben.

 

Quelle: AT FREDA GG PK A012

(RG, 2026)

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